Drei Schüler*innen des EG haben sich in kurzen Essays
mit dem Film „The Circle“ auseinandergesetzt.

Wissen ist Menschenrecht

„Wissen gehört zu den Menschenrechten, die fundamental sind“ dieses Zitat entstammt dem Film „The Circle“.

Doch wie genau wird Wissen in diesem Film definiert? Als Wissen wird dort alles bezeichnet, was jeder Mensch tut und was der Mensch an sich weiß. Im Film hieß es, dass, wer sein Leben, beziehungsweise jeden Moment seines Lebens nicht teilt, gegen die Menschenrechte verstößt, da den anderen Menschen dieses Wissen verweigert wird. Sprich, dieser Film sagt, dass es keinerlei Privatsphäre mehr geben sollte, da jeder Mensch das Recht hat, genauso viel zu wissen wie der andere. Diese Aussage alleine lässt aber viele Fragen aufkommen, denn deren Lösung, welche aus Aufzeichnungen der Leben aller Menschen besteht, verleiht den Zuschauenden keine neuen Fähigkeiten, sondern nur das „Wissen“, wo sich die andere Person befindet und was sie tut, aber durch das Beobachten einer Person, die ihr Wissen erweitert, erweitert man selber aber nicht sein Wissen. Somit hat das Wort „Wissen“ in dem Film also eine andere Bedeutung als die, die wir kennen, auf welche ich im Laufe des Textes noch zurückkommen werde.
Das Zitat sagt, dass Wissen zu den fundamentalen Menschenrechten gehört, aber vielleicht sollte man erst einmal klarstellen, welches überhaupt unsere Menschenrechte sind und ob diese Aussage gerechtfertigt ist. Die Menschenrechte sind auf drei Punkten aufgebaut: Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Gleichheit heißt so viel wie, dass jeder Mensch gleich viel wert ist und man keinen aufgrund von Andersartigkeiten benachteiligen darf. Solidarität heißt, dass alle Menschen wirtschaftliche und soziale Rechte besitzen und ein Recht auf gleiche Bezahlung und auf Bildung haben. Diese beiden Punkte zeigen schon einmal, dass die Menschenrechte darauf ausgelegt sind, Frieden und ein gutes Miteinander aufrecht zu erhalten. Doch nun sollte aufgefallen sein, dass ich den Punkt „Freiheit“ ausgelassen habe. Dies hat den Grund, dass ich dieses Thema weiter ausführen wollte, da es sich auf das Zitat bezieht. Das Gesetz der Freiheit besagt im Allgemeinen, dass alle Menschen Gedanken-, Gewissens-, Religions-, Presse- und die Meinungsfreiheit besitzen, welche durch die Menschenrechte geschützt werden. Damit hat also jeder Mensch das Recht darauf, zu denken, zu sagen, zu sein, wo er will und zu machen, was er will, ohne jegliche Einschränkungen (außer bei Kriminalität). Wenn ich mir nun aber das Zitat dieser Aussage anschaue, fällt mir auf, dass diese den Menschenrechten widersprechen würde. Der Film sagt und interpretiert somit das Wort Wissen so um, dass man kein Recht auf eigene Momente und somit auch nicht auf Privatsphäre hat, was aber eines der Menschenrechte belegt. Also würde es zwei völlig widersprüchliche Menschenrechte geben.

Desweiteren sollte man vielleicht unabhängig von dem Film definieren, was Wissen überhaupt ist. Man sagt, dass Wissen alle Kenntnisse und Fähigkeiten einer Person beinhaltet, die man zur Lösung von Problemen nutzt. Aber welche Probleme sollten denn mit Hilfe der Informationen aus dem alltäglichen Leben normaler Menschen behoben werden? Was würde es uns denn überhaupt nutzen, alles zu wissen, was die Menschheit weiß? Ein einzelner Mensch könnte nicht alles wissen, was alle Menschen auf der Welt zusammen wissen. Zusätzlich hat jeder Mensch andere Stärken, Schwächen und Interessen und somit kann nicht jeder Mensch auf Erden die gleichen Fähigkeiten besitzen oder gleich viel wissen. Also würde man unterbewusst gegen das Gesetz verstoßen und die Obrigkeit würde es erst recht gar nicht merken.

Dann sollte man auch noch den Zusammenhang zwischen Wissen und Bildung klarstellen. Wie es auch schon in den Menschenrechten steht, hat jeder Mensch ein Recht auf Bildung, welche helfen soll, die Persönlichkeit und die Intelligenz eines Menschen zu entfalten. Was wir jedoch unter Wissen verstehen, ist, dass man durch das Erlangen von Wissen gebildet wird, also eine Bildung erhält. Inwiefern würde es Menschen, helfen ihre Persönlichkeit zu entfalten, wenn sie wissen, was ein x-beliebiger Mensch auf der Welt macht?

Wahrscheinlich würde durch das Beobachten die Kriminalitätsrate sinken, womit der Film argumentiert, weil sich keiner mehr trauen würde, etwas Illegales zu tun oder über andere schlecht zu reden, also überhaupt seine ehrliche Meinung zu sagen. Aber würden Menschen ihre Privatsphäre hierfür opfern?

Laut dem Film würden andere jedes Detail deines Lebens sehen und es stellt sich die Frage, ob man dann noch so bleiben würde, wie man ursprünglich war. Wenn man unter ständiger Beobachtung steht, verändert sich das Verhalten eines Jeden, die Persönlichkeiten könnten sich nicht entfalten, was man ja eigentlich mit Bildung erreichen möchte. Vielleicht gäbe es auch eine höhere Selbstmordquote, in Verzweiflung getriebene Menschen, die keinen Ausweg aus diesem Kreislauf fänden. Das Leben, was einem geschenkt wurde, würde von anderen geleitet, beobachtet werden. Wir wären wie Marionetten, unfähig von alleine die Hand zu heben. Und die Frage, ob wir Menschen dann noch frei wären, hat sich hiermit alleine geklärt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Film die Aussage „Wissen gehört zu den Menschenrechten, die fundamental sind“, völlig neu interpretiert und sich die nicht anzuzweifelnde Richtigkeit von Wissen zu nutzen macht, um daraus zu profitieren.

Hannah Lugo

„Geheimnisse sind Lügen“

„Wenn du wünschst, dass ein anderer dein Geheimnis bewahre, dann bewahre es zuerst selbst“ sagte Seneca. Aber warum sollen wir Menschen etwas für uns behalten? Lügen wir unser Umfeld an, indem wir versuchen, Geheimnisse zu bewahren? Es wäre viel einfacher, wenn dir alle einfach alles preisgeben würden. Wir würden alle Menschen um uns herum kennen, oder?
Bevor die vorgegebene These bearbeitet wird, wäre wichtig zu klären, was die zwei Begriffe überhaupt bedeuten.

Laut Wikipedia ist ein Geheimnis „eine meist sensible Information, die einem oder mehreren Eigentümern zugeordnet ist.“ Mit anderen Worten ist ein Geheimnis etwas „Privates“, das Menschen nicht preisgeben. Das Wort „sensibel“ kann man jetzt verschieden interpretieren, es könnte etwas Unangenehmes, Unerfreuliches oder Blamables sein. Und wenn man sich die Definition genau ansieht, ist ja wohl klar, dass ein Geheimnis etwas ist, das vielleicht nicht jeder wissen soll.

Lügen sind, ebenfalls laut Wikipedia, „Aussagen, von denen der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr sind und die mit der Absicht geäußert werden, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glaubt. Also ist eine Lüge etwas Unwahres, welches man erzählt, um es anderen als Wahrheit zu verkaufen.

Jetzt bringen wir die Begriffe wieder zusammen „Geheimnisse sind Lügen“. Diese These erscheint mir jetzt paradox, denn Geheimnisse werden verborgen, weil sie unangenehm oder unerfreulich sein können. Somit würde ich sagen, dass egal, wie peinlich es einem auch ist, Geheimnisse nicht erfunden sind. Warum sollte man etwas erfinden, das einem unangenehm ist, man bereitet sich ja nur Kummer damit. Wobei Lügen irreal sind und nur verwendet werden, um eine reale Sache, sei sie unangenehm oder unerfreulich, zu verstecken.
Ich würde jetzt eher behaupten, dass Lügen manchmal verwendet werden, um ein Geheimnis zu bewahren, was auch Sinn ergibt, das ist der Zweck von Geheimnissen. Also führen sie zu Lügen. Wie jedoch einige wissen, haben Lügen kurze Beine. Das würde heißen, dass das Geheimnis, welches durch eine Lüge versucht wurde zu bewahren, irgendwann herauskommt. Das Geheimnis wäre dann nicht mehr so geheim. Was wäre, wenn Menschen keine Geheimnisse mehr hätten, sie müssten nie wieder lügen und wären auch nicht misstrauisch. Alle Menschen wüssten alles von einander. Somit gäbe es auch keine unangenehmen Momente und alle wären glücklich. Die totale Transparenz würde ja dann Sicherheit, Schutz und Freude mit sich bringen.

Aber was für Menschen wären wir dann? In dem Film gab es eine interessante Stelle, die mir die Kehrseite gezeigt hat. Mae Holland, die Hauptfigur, wollte mit ihrer Freundin Annie reden, da sie sehr niedergeschlagen und erschöpft wirkte. Annie konnte sich mit ihr aber nicht sofort austauschen. Die Kamera, die Mae immer bei sich trug, die allen Menschen auf dieser Erde in Echtzeit alles zeigte, was Mae erlebte, hinderte sie daran. Während des Gesprächs auf der Toilette, wo sie für eine kurze Zeit alleine waren, zeigte sich Annie frustriert, aber sobald sie wieder vor laufender Kamera stand, war sie sehr freundlich und sah glücklich aus. Die Transparenz von Mae beeinflusste auch die Menschen in ihrem Umfeld. Annie hat sich verstellt und somit aus ihren wahren Gefühlen ein Geheimnis gemacht und hat gelogen, indem sie andere Gefühle vorgespielt hat. Annie konnte nicht sie selbst sein, sie konnte sich nicht so zeigen, wie sie ist. Transparenz sollte doch Sicherheit, Schutz und vor allem Freude mit sich bringen. Ich denke aber nicht, dass Annie sehr erfreut über die Situation war, in der sie sich verstellen musste.

Nehmen wir an, dass wir Menschen viele Persönlichkeiten besitzen, die wir unterschiedlich zeigen. Wie ein Ball mit vielen Schichten, die oberste Schicht ist die, die wir fremden Menschen zeigen. Diese Schicht ist oft ein glückliches, vollkommenes Bild eines Menschen. Die zweite Schicht ist die, die wir Bekannten zeigen, hier ist etwas von unseren Charakterzügen enthalten. Die dritte Schicht ist für enge Freunde oder Familie, wir zeigen mehr von unseren bedrückenden Momenten oder teilen Dinge, die uns auf dem Herzen liegen, weil wir den Menschen mehr vertrauen. Die vierte Schicht wäre der Teil, den wir mit keinem teilen, was genau diese Dinge sind, kann ich nicht sagen, höchstwahrscheinlich weil keiner von der Persönlichkeit spricht.

Man könnte also die letzte Persönlichkeit als Geheimnis für alle darstellen, wenn man transparent wäre, könnte diese Persönlichkeit durch keine Lüge geheim gehalten werden und vielleicht würde es sie ja irgendwann nicht mehr geben. Hätten wir dann noch eine Persönlichkeit? Würden wir Menschen uns nicht immer verstellen und so tun, als ob unser Leben perfekt wäre? Wir würden immer versuchen glücklich und vollkommen zu wirken.
Aber wir können uns nicht immer verstellen, wir sind nicht vollkommen und sind auch nicht immer glücklich. Jeder hat seine Höhen und Tiefen, und manchmal möchte man das einfach nicht mit jedem teilen.

Wir alle haben Geheimnisse und lügen andere an, um diese zu verbergen. Aber tun wir das nicht einfach, um unser wahres Gesicht zu schützen, um unsere Schichten zu bewahren? Das macht uns Menschen ja eigentlich aus, wir sind nicht immer glücklich und sind nicht vollkommen. Wir alle haben unsere Ecken und Kanten.

Sind Geheimnisse Lügen? Meiner Meinung nach führen Geheimnisse zu Lügen, aber das muss nichts Schlechtes sein. Manchmal lügen wir, um uns selbst oder andere zu schützen. Lügen werden sehr oft als etwas Falsches und Unehrliches gesehen, das will ich auch nicht abstreiten. Wenn man lügt, ist man nicht ehrlich, aber das macht anscheinend unseren Charakter aus.
Jeder Mensch hat Geheimnisse und jeder Mensch lügt, um diese zu bewahren, vielleicht ist es aber das, was uns alle so einzigartig macht. Möglicherweise sind wir unserer Persönlichkeit verpflichtet, Geheimnisse zu bewahren, sie um jeden Preis zu schützen. Auch wenn das heißt, dass man manchmal lügen muss.

Ilayda Mercan

Ein fiktiver Dialog zwischen Mae und Ty Lafitte nach Mercers Tod

Mae: Ty, was soll ich denn jetzt tun? Ich bin schuld daran, dass Mercer tot ist. Hätte ich nicht seine Kronleuchter gepostet, dann wäre alles nicht so weit gegangen! Ich habe Mercer ermordet und das nur, weil ich bei einem blöden Post nicht nachgedacht habe. Ich bin ein Monster! Mit meinem Vorschlag von Soul Search bin ich viel zu weit gegangen.

Ty: Beruhige dich erst mal. Du hast ihn nicht ermordet. Dieses Programm und all die Menschen, die ihn gesucht haben, haben ihn ermordet. Verstehst du? Siehst du jetzt, wie sehr dich diese Transparenz geblendet hat? Es hat ein ganzes Menschenleben zerstört und das war nie meine Absicht, als ich „the Circle“ erstellt habe. Ich wollte nicht, dass es so genutzt wird, wie es jetzt genutzt wird. Es sollte anderen helfen, nicht sie umbringen. Wenn alles veröffentlicht wird, dann wird bald nichts mehr Spaß machen. Man kann nicht verhindern, was geschehen ist. Egal, wie sehr wir uns das wünschen. Alles wird gefilmt und veröffentlicht werden und wenn es erst mal im Netz ist, wird man es nicht mehr löschen können.

Mae: Aber wie soll ich mir das nur verzeihen? Ich kann die Vergangenheit nicht mehr rückgängig machen, egal wie sehr ich es mir wünsche und das zerreißt mich innerlich. Ich hätte es nie gewollt, meinen besten Freund zu töten und doch habe ich es getan!

Ty: Wir finden schon einen Weg. Aber du musst mir versprechen, dass du nichts Dummes anstellst, während du ein paar Tage frei bekommst. Okay?

Mae: Du denkst jetzt nicht wirklich, dass ich ein paar Tage frei bekomme, oder?

Ty: Natürlich bekommst du frei. Dein bester Freund ist gestorben. Dir steht es zu, ein paar Tage frei zu bekommen und wie ich Eamen kenne, wird er darauf bestehen.

Mae: Aber ich kann mir doch jetzt nicht frei nehmen. Ich muss alles wieder in Ordnung bringen! Ich….

Ty: Mae hör auf damit! Du brauchst eine Pause. Du kannst in diesem Zustand nicht klar denken. Sobald es dir besser geht, reden wir darüber, wie es bei „the Circle“ weitergeht. Du bist der Schlüssel zur Besserung! Mit dir können wir „the Circle“ so entwickeln, wie es ursprünglich geplant war.

Mae: Wie meinst du das? Was schlägst du vor?

Ty: Nach deiner Pause gehst du auf die Bühne und bietest Eamen die absolute Transparenz an. Und mach dir keine Sorgen wegen des Technikkrams, ich bin Profi. Ich entschlüssele alle seine E-Mails, sodass die ganze Welt sehen kann, was er alles geplant hat.

Mae: Und du denkst, das wird klappen?

Ty: Natürlich wird es klappen. Auf der Bühne muss er zustimmen, ob er will oder nicht. Du hast ja selbst erlebt, was passiert, wenn man etwas auf der Bühne abschlägt. Er wird keine andere Wahl haben und damit kriegen wir ihn!

Mae: Okay, so machen wir es. Ach und Ty?

Ty: Ja?

Mae: Danke, dass du für mich da bist. Das bedeutet mir sehr viel.

Ty: Für dich immer! Jetzt geh und ruh dich erst einmal aus. Du kannst mich immer anrufen, wenn du Angst bekommst, egal zu welcher Uhrzeit. Ich werde da sein. Und solange du weg bist, organisiere ich den Rest, bis du wieder auf die Beine kommst.

Mae: Danke Ty, du bist der Beste!

Vanessa Marcinkovic